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Google Maps-Änderungen in der EU – die ersten Folgen des DMA

Die meisten von euch werden es schon bemerkt haben: Wenn ihr bei Google nach einer Adresse sucht, könnt ihr nicht mehr auf die Karte klicken. Stattdessen müsst ihr Google Maps separat aufrufen und die Adresse dort in der Suchleiste eingeben.

Zum Vergleich: Früher war im oberen Bildschirmbereich ein kleiner Ausschnitt von Google Maps sichtbar, der Nutzer:innen nach einem Klick zu Google Maps überführte. Seit den neuen EU-Gesetzen ist dieses kleine Widget allerdings nicht mehr klickbar. Auch in den Tabs – zwischen "Bilder", "News" und "Videos" – ist “Google Maps” nicht mehr vorhanden; und ein Klick auf “Mehr Optionen anzeigen” führt Nutzer:innen auch nicht mehr ans Ziel.

Was ist mit Google Maps passiert?

Google musste die Suchergebnisseite (SERP) aufgrund verschärfter EU-Gesetzgebungen anpassen. Genauer gesagt geht es um den Digital Markets Act (DMA), der am 6. März 2024 in Kraft getreten ist.

Was ist der Digital Markets Act?

Mit dem DMA zielt die Europäische Union darauf ab, die Marktmacht großer Technologiekonzerne – sogenannte Gatekeeper – einzudämmen. Dazu zählen unter anderem Google, Amazon, Microsoft, Apple und Meta ( = GAMAM) und ByteDance sowie 22 weitere Plattformen, die zu diesen Unternehmen gehören, darunter WhatsApp, Instagram, TikTok, Facebook, YouTube – und eben Google Maps.

Durch die neuen EU-Verordnungen darf Google seine eigenen Produkte nicht mehr bevorzugt auf der Suchergebnisseite platzieren. Neben Google Maps gilt das z. B. auch für Google Flights, die nicht mehr an erster Stelle stehen werden. Außerdem muss die Suchmaschine die Verknüpfung ihrer Dienste – bzw. den Austausch der dort gesammelten Daten – wie unter anderem auch YouTube einschränken.

Bisher tauchte ein bei Google gesuchtes Restaurant beispielsweise auch bei Google Maps auf. YouTube wiederum schlägt auf Basis historischer Google-Suchen auch passende Inhalte vor. Während Google diese Praxis im Rest der Welt fortsetzt, dürfen die Dienste in der EU Daten nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung der Nutzer:innen austauschen.

Insgesamt spricht Google von mehr als 20 Änderungen (in der Suche allein!), die es aufgrund des Digital Markets Act bereits vorgenommen hat. Gleichzeitig liefert die Suchmaschine allerdings neue Updates für Google Maps mit kuratierten Listen und intelligenten Funktionen, um das Nutzererlebnis zu verbessern.

Wie finden Nutzer:innen trotzdem zu Google Maps?

Google-Nutzer:innen in den EU-Ländern sind teilweise sehr frustriert, da sich die Suchergebnisse ihrer Meinung nach verschlechtert haben und die Bedienung der Google-Suche weniger intuitiv ist. Doch es gibt Abhilfe!

Zum einen können Nutzer:innen direkt auf Google Maps – statt über Google Search – nach einer Adresse suchen. Zum anderen können sie die Google-Suche standardmäßig mit Google Maps und weiteren Diensten verknüpfen. Dafür müssen sie in den Einstellungen ihres Google-Kontos nur den Zugriff auf Karten bei Suchanfragen aktivieren und einstellen, welche Google-Dienste Daten untereinander tauschen dürfen.

Allerdings gibt es auch eine (noch) schnellere Lösung, wenn Nutzer:innen bereits ein bestimmtes Geschäft ins Auge gefasst haben: einfach auf den Routenplaner-Button im Google Unternehmensprofil klicken.

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Was bedeutet die Google Maps-Änderung für Unternehmen?

Dass Google Maps in der Google-Suche zurückgestellt wird, hat potenziell erhebliche Auswirkungen auf Unternehmen und ihr Online-Marketing – insbesondere im Zusammenhang mit Klicks auf das Google Unternehmensprofil.

  • Verändertes Nutzerverhalten: Mit der veränderten Search Journey sind Nutzer:innen möglicherweise weniger geneigt, in der Google-Suche nach Wegbeschreibungen zu suchen. Unter Umständen steigen sie auf andere (Navigations)Plattformen um, die nicht auf das Google Unternehmensprofil verweisen.

  • Reduzierte Sichtbarkeit: Unternehmen wie Restaurants oder Hotels, die von Nutzer:innen häufig über das Google Local Pack in der Kartenansicht (Map Pack) entdeckt werden, müssen mit einer verringerten Sichtbarkeit rechnen. Das macht sich vermutlich auch in einem Rückgang der organischen Klicks bemerkbar.

  • Alternative Maßnahmen: In Anbetracht der niedrigeren organischen Klicks müssen Unternehmen alternative Strategien entwickeln, um ihre Online-Präsenz zu stärken. Das ist allerdings ein guter Anlass, um die lokale Suchmaschinenoptimierung allumfassend anzugehen. Dazu gehören z. B. die Pflege von Online-Einträgen auf anderen Plattformen sowie Review Management, um ihre Sichtbarkeit außerhalb von Google (Maps) zu stärken.

  • Verstärkter Fokus auf Kundenbindung: Da die organische Sichtbarkeit möglicherweise abnimmt, ist es für Unternehmen umso wichtiger, bestehende Kund:innen zu binden und deren Unterstützung über Empfehlungsmarketing zu gewinnen.

Insgesamt zeigt der Digital Markets Act genauso wie die laufenden Aktualisierungen des Google-Algorithmus, wie wichtig es für Unternehmen ist, flexibel zu bleiben. Eine umfassende Local-SEO-Strategie, die verschiedene Kanäle und Taktiken umfasst, wird immer wichtiger, um in einer dynamischen digitalen Landschaft erfolgreich zu sein.

War früher alles besser?

Anfang 2023 hat Google mit der neuen Google Business Profile Performance API und einer Umstellung der Metriken – grob gesagt: von “views” auf “unique views” Wellen geschlagen. Jetzt steckt eine Gesetzgebung hinter einer erneuten, einschneidenden Anpassung – was zeigt, wie sich das europäische Recht auf Technologieunternehmen auswirken kann und wie sie sich anpassen müssen, um den neuen Vorschriften gerecht zu werden. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich diese Regulierungen weiterentwickeln und wie sie das digitale Ökosystem langfristig beeinflussen.

Wie hat sich der Google-Algorithmus verändert?