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Getrennte Wege: War die Zwei-App-Strategie von foursquare richtig?

Foursquare war ein standortbezogenes soziales Netzwerk, bis vor vier Monaten das Unternehmen seine Kernfunktionen - lokale Suche und Check-in - in zwei Apps aufgeteilte: Foursquare und Swarm. Mit der Erfahrung der letzten vier Monate: War die Trennung eine gute Entscheidung?

Foursquare hatte viel Kritik einstecken müssen. Der lokalbasierte Social-Media-Dienst hatte ein weitreichende Entscheidung getroffen und im Mai diesen Jahres aus einer App zwei gemacht. Check-ins - also Mitteilungen, wo man sich gerade aufhält - wurden über Nacht in eine neue App ausgelagert. Aus der bekannten Foursquare App mit spielerischen Elementen, Tipps und lokaler Suche wurden zwei Applikationen: Swarm für die Interaktion, Foursquare für die Suche nach Orten.

„Begeht der Check-in-Dienst Selbstmord aus Angst vor dem Tod?“ fragte Wirtschaftswoche-Blogger Michael Kroker damals. Heute vier Monate später ist die Frage unbeantwortet, aber eine Tendenz erkennbar.

Der Start war kommunikativ wie inhaltlich ein Desaster. War die Trennung von Lokalsuche-Fokus (Foursquare) und Check-in (Swarm) noch einigermaßen nachvollziehbar (mehr Klarheit), blieb unverständlich, warum es interaktive Spielereien (für die es doch nun Platz in einer eigenen App gab) teilweise nicht in die Swarm-App geschafft hatten. Sie wurden aus beiden Apps verbannt. Der spielerische Vergleich mit allen Foursquare-Nutzern um die meisten Punkte für Check-ins viel ebenso weg, wie die leidenschaftlichen Kämpfe um „Mayor“-Titel, also die meisten Check-ins. In Swarm wurde sogar das Elemente der beliebten “Badges” weitgehend aufgegeben.

Das Unternehmen Foursquare ist bei Swarm im Laufe der letzten Monate zurückgerudert. Einige Funktionen kehrten - in zahlreichen Updates (siehe Screenshot) - zurück wie etwa das “Leaderboard”, welches die Zahl der Check-ins mit denen der Freunde vergleicht. Und auch das ein oder andere “Badge” kann man nun wieder erlangen.

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Gleichzeitig wurde die Foursquare-App runderneuert. Das Foursquare-Blau wich einem Rot auf weißem Hintergrund, attraktive lokale Geschäfte in der Umgebung des Handys wurden in den Mittelpunkt gerückt. Die Gretchenfrage aber bleibt: Geht durch die Trennung zweier zentraler Funktionen (Check-in und Suche) in zwei - sowohl in Gestaltung und Funktion -unterschiedliche Apps mehr verloren als durch die gestiegene Eindeutigkeit der Anwendungen gewonnen werden kann.

Die Waagschale neigt sich zu Ungunsten der Zwei-App-Strategie. Auch weil beide Apps weiter sehr komplex sind, zu komplex. Intuitiv ist lediglich der Startbildschirm bei Foursquare, der unterschiedliche lokale Geschäfte in der näheren Umgebung anzeigt (im Screenshot links). Hat der User seinen eigenen Präferenzen in der App hinterlegt (im Screenshot rechts), bestehen gute Chancen, dass sich unter den angezeigten Orten den Nutzer interessierende Angebote finden. Das ist grundsätzlich gut, die Funktionalitäten in der App sind aber nicht immer intuitiv verständlich. Ein erklärtes Ziel der Aufteilung in zwei Apps, für mehr Klarheit zu sorgen, ist bisher nicht erreicht worden.

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Die Abrufzahlen geben der Einschätzung recht. Die Downloads der Swarm-App unter iOS und Google Play sind nicht berauschend (weit weg von den Top 100 Apps), und die Reviews in der Foursquare App belegen die große Zahl enttäuschter Nutzer (“Bring back the original!”).

Ob Foursquare wieder den Weg zurück in eine App findet? Eine erfolgreiche Strategie wird jedenfalls dringend benötigt. Denn Foursquare ist nicht alleine auf der Welt lokalbasierter Angebote. Die Konkurrenz mit Yelp, Google und Co. ist groß. Die Chance, einmal gemachte Fehler auszubügeln, ist vielleicht eine einmalige.

Posted by Uberall