Die denkende Suchmaschine - Google Search setzt auf künstliche Intelligenz

imageGoogles Wurzeln führen den Online-Riesen und mit ihm das gesamte Internet in eine schöne, aber auch in weiten Teile unbekannte neue Welt. Mit seiner treffsicheren Suchmaschine legte Google 1997 die Basis für die heutige Marktführerposition. Nun ist es an der Zeit für einen Quantensprung: Google Search setzt immer stärker auf künstliche Intelligenz. Die Folge: Extrem gute Suchergebnisse.

Ende Januar 2016 sorgte ein bis dato nie erreichter Triumph einer Maschine über den menschlichen Geist weltweit für Aufsehen: Ein von Google entwickeltes Computerprogramm schlug einen Meisterspieler im Brettspiel Go.

Mittlerweile hat das von der britischen Tochterfirma DeepMind entwickelte Programm “AlphaGo” auch den amtierenden Weltmeister Lee Sedol geschlagen.

Was nach der aufgewärmten Version von „Schachgroßmeister Kasparow gegen Deep Blue“ klingt, hat weitreichende Bedeutung für die Zukunft der Computer. Go gilt nicht umsonst als einer der Meilensteine, welche die Entwicklung von künstlicher Intelligenz markieren - Im Vergleich zu Go ist Schach Kinderkram.

Bei dem chinesischen Strategiespiel gibt es mathematisch berechnet exakt 2,08^10*170 mögliche Stellungen der weißen und schwarzen Steine auf dem Brett. Die genaue Zahl hat 171 Stellen und ist höher als die Zahl der Atome im Universum. Diese schier unfassbare Komplexität konnte bislang nur vom menschlichen Hirn mit seinen Nervenbahnen und der Fähigkeit zum Lernen bewältigt werden. Jetzt aber haben die Maschinen aufgeholt und schicken sich an, ihre menschlichen Schöpfer hinter sich zu lassen.

Während der Go-Partie gegen Weltmeister Sedol beschrieben Experten das Spielverhalten des Computers als “intuitiv” und “einfühlsam” - Attribute die bisher auf menschliches Denken beschränkt waren. Anhand der Spielzüge, so die Fachkundigen, hätte man nicht mehr erkennen können, wer Mensch ist und wer Maschine.

Die Zukunft ist schon da

Von diesen Fortschritten bei der künstlichen Intelligenz (alias Artificial Intelligence, kurz AI) profitieren Nutzer der Google-Suchmaschine bereits heute. Etwa jede siebte der täglich mehr als drei Milliarden Suchanfragen wird derzeit schon von einer künstlichen Intelligenz mit dem Spitznamen RankBrain beantwortet, wie Google-Forscher Greg Corrado dem Wirtschaftsdienst Bloomberg verriet. RankBrain kommt bei komplexen oder kompliziert gestellten Anfragen zum Einsatz, die den herkömmlichen Algorithmus überfordern.

Dieser Algorithmus stand bislang im Zentrum des Erfolgs von Google Search. Nicht umsonst kehren die meisten User nach frustrierenden Ausflügen zu anderen Suchmaschinen schnell wieder zum Branchenführer zurück. Dank der ausgeklügelten und ständig weiterentwickelten Parameter scheint das Programm häufig genau zu wissen, wonach der Nutzer gerade sucht. Allmählich hat sich in der Zentrale von Google aber die Erkenntnis durchgesetzt, dass die von den Gründern Larry Page und Sergey Brin am 15. September 1997 eingeführte Google Search mit von Menschen geschriebenen Befehlen den Anforderungen der Zukunft nicht mehr (allein) gewachsen sein wird.

Lokale Suche mit neuen Ansprüchen

Google verdankt seinen Aufstieg der Suchmaschine und gerade rückt diese wieder verstärkt in den Fokus der Verantwortlichen. Immer mehr Menschen nutzen die Funktion mobil und informieren sich unterwegs per Smartphone oder Tablet über Geschäfte oder Restaurants in ihrer Nähe. Diese lokale Suche läuft zunehmend nicht aktiv über das Eingeben von Suchbegriffen in eine Maske ab. Mit dem digitalen Assistenten Google Now on Tap etwa, analysiert der Online-Gigant selbständig die gerade auf dem Display gelesenen Inhalte und zeigt dem Nutzer dazu relevante Informationen an. Die mobile Suche bringt höhere Anforderungen an Google Search mit sich. Nutzer sind hier noch stärker als am heimischen Computer auf blitzschnelle und passgenaue Ergebnisse angewiesen.

Dennoch hat selbst Tech-Pionier Google lange gezögert, künstliche Intelligenz nach den Bereichen Video und Übersetzung auch im Kernsegment Suche Willkommen zu heißen. Denn hier wird nicht einfach eine neue technische Errungenschaft implementiert. Der Wechsel von durch Menschen geschriebene Codes und Algorithmen hin zu einer Art Maschinengehirn mit selbständigen Lernprozessen stellt einen Paradigmenwechsel dar. Den hat Google nun aber endgültig gewagt. Das wurde durch eine Personalie unübersehbar: Der bisherige Search-Guru Amit Singhal verkündete kürzlich seinen Abschied. Zu seinem Nachfolger wurde Googles AI-Spezialist John Giannandrea ernannt.

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Was genau ist überhaupt AI?

Der Schlüsselbegriff bei der künstlichen Intelligenz lautet „tiefe neuronale Netzwerke“. Diese Verbindungen aus Hard- und Software ahmen quasi das Wirkprinzip von Nervenzellen im menschlichen Hirn nach. Sie sind zu selbständigem Lernen fähig, erkennen Sinnzusammenhänge und Muster in riesigen Datenmengen. Wird einem solchen System künstlicher Intelligenz beispielweise genug Schadsoftware gezeigt, kann es schließlich selbst Computerviren erkennen. Ebenso ist AI wie Googles RankBrain zunehmend in der Lage, komplizierte Suchanfragen per geschriebenem oder gesprochenem Wort korrekt zu interpretieren und zu beantworten.

Dabei lässt die künstliche Intelligenz mittlerweile nicht nur seinen Vorgänger, sondern sogar seine Schöpfer hinter sich. In einem internen Test ließ Google seine Ingenieure schätzen, welche Position einige ausgewählte Internetseiten auf der Ergebnisseite von Google Search einnehmen würden. Die Experten lagen in 70 Prozent der Fälle richtig – RankBrain bei 80 Prozent.

Nicht nur die Analyseleistung der künstlichen Intelligenz ist schon jetzt oft der des menschlichen Hirns überlegen. Menschen können die „Denkprozesse“ der Maschinen teils nicht mehr nachvollziehen. Eine Folge: Das alles entscheidende Ranking, in dem Google Suchresultate anzeigt, wird weniger erklärbar. Dadurch würde es notwendig, Ansätze zur Suchmaschinenoptimierung neu zu prüfen. Bisher vorgenommene Maßnahmen könnten ihre Wirkung verlieren, das Ranking sich verschlechtern. Im Falle einer intelligenten Maschine hinter Googles Suchalgorithmus, wäre es sicherlich sehr unwahrscheinlich, dass sich durch Keywords und Linkbuilding allein genügend Relevanz erzielen ließe, um auf der Ergebnisseite wieder oben mitzuspielen.

Übernehmen die Maschinen die Macht?

Trotz solcher Bedenken ist der Vormarsch der künstlichen Intelligenz nicht mehr aufzuhalten. Neben Google setzen auch Microsoft, Facebook und Twitter auf die Hilfe künstlicher neuronaler Netzwerke. Es ist also zu erwarten, dass denkende Computer in Zukunft maßgeblich unseren digitalen Alltag beeinflussen und steuern werden. Ob und inwiefern intelligente Dienste, wie z.B. die in den kommenden Jahren erwarteten selbstfahrenden Autos, das Vertrauen der Nutzer gewinnen können, bleibt abzuwarten.

Niemand geringeres als Tech-Visionär Elon Musk warnt seit Jahren vor den ganz realen Gefahren durch künstliche Intelligenz.

Im Dezember 2015 verkündete der Tesla-Gründer mit dem Unternehmer Sam Altman deshalb ein milliardenschweres, gemeinnütziges Projekt namens OpenAI. Damit soll die Entwicklung der künstlichen Intelligenz vorangetrieben, vor allem aber sämtliches Wissen komplett offen gelegt werden. Damit würde die Technologie „von jedermann zu verwenden sein, anstatt nur von, sagen wir mal, Google“, erklärte Altman.